Mehr als spielen: Was passiert, wenn junge Menschen Games entwickeln?
Wenn junge Menschen Games nicht nur spielen, sondern selbst entwickeln, geschieht etwas Besonderes: Sie gestalten Welten, erzählen Geschichten, lösen Probleme – und lernen dabei weit mehr als Technik. Genau dieses Potenzial nutzt der Bildungsgang Informatiker:in Multimedia am Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg in Duisburg.
Denn Game Development ist mehr als ein Berufswunsch – es ist ein Lernmodell, das Kreativität, Strukturdenken, Kommunikation und Selbstorganisation in den Mittelpunkt stellt. Es verbindet Technologie mit Gestaltung, Teamarbeit mit individueller Entfaltung – und macht sichtbar, was Schule oft unsichtbar lässt: Talente, Stärken und neue Perspektiven.
Game Development: Interdisziplinär, kollaborativ, zukunftsweisend
Game Development vereint unterschiedlichste Disziplinen: Informatik, Design, Audio, Storytelling, UX, Projektmanagement. Wer ein Spiel entwickelt, muss programmieren, gestalten, kommunizieren – und vor allem im Team arbeiten. Genau darin liegt der didaktische Reiz:
Lernende entwickeln nicht nur technische oder gestalterische Fähigkeiten,
sondern erleben Selbstwirksamkeit, Feedbackkultur und kollaboratives Arbeiten.
Wissenschaftliche Studien bestätigen: Das Entwickeln eigener Games stärkt nachweislich Problemlösefähigkeiten, kreatives Denken und Teamkompetenz (Kafai & Burke, 2015; Garneli et al., 2015). Lernende übernehmen Rollen im Prozess – vom Coder bis zur Art Direktorin – und trainieren so praxisnah die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams (Harteveld et al., 2014).
Lernen mit Relevanz: praxisnah, sichtbar und orientierungsstiftend
Am FAL BK ist Game Development kein Thema unter vielen, sondern strukturelles Lernmodell: Projektbasiertes Lernen, reale Workflows und professionelle Tools wie Unity, Blender, Adobe CC gehören zum Alltag. Die Ergebnisse: digitale Produkte, die sichtbar, bewertbar und entwicklungsfördernd sind. Dabei steht nicht die Note im Vordergrund, sondern die individuelle Bildungsbiografie:
Wer sich in verschiedenen Rollen ausprobieren kann, findet leichter heraus, was wirklich passt – ob Game Designer:in, Mediengestalter:in, Entwickler:in oder kreative:r Generalist:in.
Wissenschaftlicher Hintergrund:
Lernen durch Game-Design
Die Idee, durch das Designen von Spielen zu lernen, hat pädagogische Wurzeln – etwa im Konstruktivismus nach Papert (1980). Anders als beim klassischen Game-Based Learning (Lernen mit Spielen) wird beim Game Development-Based Learning durch das Erstellen von Spielen gelernt – ein Prinzip, das laut Forschung Motivation, Perspektivübernahme und Selbstwirksamkeit besonders effektiv fördert (Akcaoglu, 2014; Dishon & Kafai, 2020).
Game Development fordert außerdem Empathie: Lernende müssen antizipieren, wie andere ihr Spiel erleben werden. Dieses „Thinking for others“ stärkt nachweislich soziale Perspektivübernahme – ein Skill, der auch in der Führung, Bildung oder UX-Entwicklung entscheidend ist (Dishon & Kafai, 2020).
Ein neuer Bildungsraum zwischen Ausbildung und Studium
Mit dem Bildungsgang Informatiker:in Multimedia schafft das FAL BK einen Lernraum, der zwischen klassischer Berufsausbildung und Hochschulstudium liegt. Die Ausbildung ist kostenfrei, vollzeitschulisch, BAföG-berechtigt – und gleichzeitig praxisorientiert, anschlussfähig und community-basiert.
Das Ziel: jungen Menschen einen fundierten, aber flexiblen Einstieg in digitale Berufsfelder zu ermöglichen – sei es in Mediengestaltung, Game Engineering, UX/UI oder Softwareentwicklung.
Vernetzung mit der Branche: Projekte, Events, Partner:innen
Kooperationen mit Indie-Studios, Hochschulen und Branchenevents wie der Game Dev Week Trier, der Dokomi oder dem Indie Game Fest sorgen dafür, dass der Unterricht nah an der Realität bleibt. Hinzu kommen:
- Ein achtwöchiges Praktikum
- Ein jährliches Großprojekt
- Externe Workshops mit Entwickler:innen und Kreativen aus der Praxis
So werden Theorie und Anwendung auf natürliche Weise verzahnt – und gleichzeitig entstehen erste Referenzen für ein eigenes Portfolio.
Game-Dev-Kompetenz bedeutet Bildungskompetenz
Game Development ist mehr als Fachwissen – es ist ein Zugang zur Welt. Lernende erwerben durch Spielentwicklung zentrale Kompetenzen für das 21. Jahrhundert:
- ✨
Kreativität & Systemdenken - 📋
Projektverantwortung & Feedbackfähigkeit - 🗨️
Empathie & Nutzerorientierung - 💻
Digitale Medienkompetenz & Berufsorientierung
Wir zeigen: Wer Games versteht, versteht auch, wie Lernen in einer digitalen Welt gelingen kann.
📚 Quellen
- Akcaoglu, M. (2014). Learning problem-solving through making games at the game design and learning summer program. Educational Technology Research and Development, 62(5), 583–600. https://doi.org/10.1007/s11423-014-9347-4
- Dishon, G., & Kafai, Y. B. (2020). Making for others: A design-based study of empathy in game design with youth. Learning, Media and Technology, 45(2), 139–156. https://doi.org/10.1080/17439884.2020.1711861
- Garneli, V., Giannakos, M. N., & Chorianopoulos, K. (2015). Computing education through narrative game-design. Computers in Human Behavior, 55, 718–728. https://doi.org/10.1016/j.chb.2015.10.006
- Harteveld, C., Smith, J., Carmichael, G., Gee, E., & Stewart, C. (2014). A design-focused analysis of games teaching computer science. ITiCSE, 329–334. https://doi.org/10.1145/2591708.2591762
- Kafai, Y. B., & Burke, Q. (2015). Constructionist Gaming: Understanding the Benefits of Making Games for Learning. Educational Psychologist, 50(4), 313–334. https://doi.org/10.1080/00461520.2015.1124022
- Papert, S. (1980). Mindstorms: Children, Computers, and Powerful Ideas. Basic Books.
